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In Wolfenbüttel suchen beispielsweise immer mehr Menschen Kontakt zur Stolperstein-Gruppe. Der Wunsch, nicht länger passiv mitanzusehen, wie Rassismus, Antisemitismus und Hass geschürt werden, sondern Position zu beziehen und aktiv etwas dagegen zu unternehmen, ist ihnen ein großes persönliches Anliegen.
Dabei kommen sie mit ganz unterschiedlichen Ideen auf die Initiative zu. Eine Frau bietet an, bei der nächsten Stolpersteinverlegung Klezmerlieder auf der Geige zu spielen, eine Schülerin hat ein Referat für den Religionsunterricht erarbeitet und möchte nun angelaufene Stolpersteine putzen. Eine ältere Dame „stolperte“ mit ihren Enkelinnen über die Steine der Familien Pohly und Cohn. Die seitdem angestoßene Auseinandersetzung mit dem Thema möchte sie durch die Übernahme einer gemeinsamen Putzpatenschaft ausbauen. Wieder andere spenden, kümmern sich um die Steine vor ihrer Haustür oder recherchieren die Biografien weiterer Personen.
Spontan haben sich einige Engagierte am 27. Januar anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZs Auschwitz-Birkenau getroffen, um gemeinsam Stolpersteine zu polieren. Sie wollen damit Erinnerungsarbeit leisten und andere motivieren, sich ebenfalls gegen das Vergessen zu engagieren.
Anlässlich des Jahrestages zur Befreiung vor 75 Jahren ist außerdem am 8. Mai ein großer, überregionaler „Stolpersteinputztag“ geplant. Das Ziel ist, allen 104 in Wolfenbüttel verlegten Stolpersteine zu neuem Glanz zu verhelfen und damit jenen Menschen zu gedenken, die in unserer Stadt aufgrund ihrer Religion, politischen Weltanschauung oder Herkunft verfolgt, gedemütigt oder ermordet wurden.
Wer Interesse hat, diese Aktion zu unterstützen und damit ein sichtbares Zeichen für Demokratie und Menschenrechte zu setzen, ist herzlich eingeladen, sich unter stolpersteine@wolfenbuettel.de zu melden.



Der Kölner Künstler Gunter Demnig initiierte in den 90er Jahren das Projekt "Stolpersteine". Mit den Messingtafeln, die die Lebens- und Schicksalsdaten von Opfern der NS-Zeit tragen, hält er die Erinnerung an Menschen wach, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Es ist eines der größten dezentralen Denkmäler Europas.

In Deutschland und Europa wurden bereits rund 75.000 Steine verlegt. In Wolfenbüttel sind es bisher 104 Steine, deren Verlegung zwischen 2001 und 2017 durch das Engagement von Privatpersonen stattgefunden hat.

Seit 2018 gibt es hier vor Ort eine offene Arbeitsgruppe in der sich Fraktionsabgeordnete, Privatpersonen und Mitglieder von Bündnissen, beziehungsweise Vereinen ehrenamtlich engagieren. Die organisatorische und inhaltliche Begleitung wird von Mitarbeitern des Kulturbüros und des Museums übernommen.

Mit dem Einsatz am Sonntag fand auch die erste Verlegung des "neuen" Arbeitskreises statt - weitere sollen folgen. Die Kosten für die Anfertigung und Verlegung eines "Stolpersteins" betragen momentan 120 Euro und wurden aktuell von Spendengeldern finanziert. Eingetreten hierfür sind sowohl Privatpersonen als auch Institutionen.

Seit diesem Jahr sind auch Schülerinnen der Leibniz-Realschule in die Recherchen eingestiegen. Bei der Verlegung am Sonntag trugen sie ihre Arbeit in Form von Textbeiträgen vor.

Die neuen Steine

Ein Stein wurde für Martha Grünberg in der Salzdahlumer Straße 56 verlegt. Ihre Biografie wurde von einer Schülerin vorgetragen. Danach folgte eine Würdigung für Rosa Hirsch, Siegfried Weiler und Rosa Weiler in der Dr. Heinrich-Jasper-Straße 12. Die Lebensgeschichte von Rosa Hirsch trug eine Schülerin vor, die des Ehepaars übernahm Frau Dr. Sabine Baumann.

Bei der Adresse Lange Herzogstraße 46 sind die übrigen neuen Steine zu finden. Annabelle Chiarello erzählte bei der Setzung die Geschichte der dort Erwähnten: Bernhard Sonnenberg, Sara Sonnenberg (geborene Goldberg), Johanna Goldberg, Harri Sonnenberg, Martha Sonnenberg (geborene Levi) und Ruth Sonnenberg.

Damit die Steine langfristig ihren charakteristischen Glanz behalten, müssen sie regelmäßig geputzt werden. Es werden daher dringend weitere "Putzpaten" gesucht, die diese Aufgabe übernehmen. Interessierte können sich über das Kontaktformular dieser Internetseite melden.

Bilder der Verlegung gibt es im Flickr-Album der Stadt Wolfenbüttel: Neue Stolpersteine