Finden Sie zu den Stolpersteinen
in Wolfenbüttel

Details


Emil Kramer

geboren: 16.04.1878 in Wolfenbüttel

Wohnadresse in Wolfenbüttel: Breite Herzogstraße 27

Emil Heinrich Alfred Kramer wurde am 16. April 1878 in Wolfenbüttel geboren. Sein Vater Heinrich Andreas Christian Kramer lebte mit seiner Frau in Wolfenbüttel und war Badestubenbesitzer und Barbier. Minna Marie Elise Kramer (geborene Backmann) war Emils Mutter. Seine Eltern gehörten dem evangelischen Glauben an, welchen er übernahm.

Er heiratete Marianne Kramer (geborene Cohn) in Kirchdorf (Mariannes Geburtsort). Sie war jüdischen Glaubens und hatte gemeinsam mit Emil zwei Söhne und drei Töchter. Emil Kramer erlernte den Beruf des Friseurmeisters als seine letzte berufliche Tätigkeit und übte diesen in seinem Wohnort, der Breiten Herzogstraße 27, aus.

Aufgrund der Ehe zwischen Emil und Marianne Kramer wurde die Familie zunehmend diskriminiert, weshalb auch Emils Friseursalon Schaden nahm. Emils Frau wurde von den Nationalsozialisten als „Volljüdin“ bezeichnet, weil die Nationalsozialisten Menschen jüdischen Glaubens nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als „Rasse“ mit angeblich negativen Eigenschaften betrachteten. Marianne selbst war lange vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten zum protestantischen Glauben übergetreten. Da Marianne aber weiterhin als „Volljüdin“ betrachtet wurde, wurden sie und ihre Familie ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt. Marianne selbst durfte das Geschäft nach der Pogromnacht 1938 gar nicht mehr betreten. Der Salon galt als „jüdisches Geschäft“ und wurde deshalb boykottiert. Es gibt zahlreiche Aussagen von ehemaligen Kund:innen, die belegen, dass die Kramers unter dem Boykott und der Verfolgung litten:

Ich habe auch selber beobachtet, dass das ganze Geschäft sowohl der Herren- wie der Damensalon allmählich sehr stark zurückging. Man kann wohl sagen, dass zum Schluss etwa 70% der Kunden wegblieben. […] Ich habe selbst mal beobachtet, als ich abends aus dem Dienst kam und mich rasieren lassen wollte, dass ein SA-Mann auf der gegenüberliegenden Seite stand und das Geschäft beobachtete.

Das Geschäft wurde mit Aufklebern wie „Kein arisches Geschäft“ beklebt und beschädigt.

Aufgrund des „Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ wurde die Ehe zwischen Emil und Marianne für nichtig erklärt. Emil, seine Frau und seine Kinder wurden ausgegrenzt und diskriminiert.

Emil Heinrich Kramer starb am 7. Mai 1948 in Bad Harzburg gegen 19 Uhr. Als Todesursache wurde ein Lungenriss vermutlich in Folge einer vorherigen Verletzung angegeben. Die genauen Hintergründe gehen aus den Quellen nicht hervor.

Quellen:

à Nds. Landesarchiv Standort Wolfenbüttel

u. a.

4 Nds. Zg. 22/2003 Nr.1399

4 Nds. Zg. 22/2003 Nr. 1398

RECHERCHE: Gymnasium im Schloss: Klassen 10nwit, 10b, 10ku (2026)

 

Familie:
Emil Kramer
Marianne Kramer, geborene Cohn
Otto Kramer
Kurt Kramer

MAP