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Marianne Kramer, geborene Cohn

geboren: 16.09.1877 in Kirchdorf

Wohnadresse in Wolfenbüttel: Breite Herzogstraße 27

Marianne Kramer (geb. Cohn) wurde am 16 September1877 in Kirchdorf geboren. Ihre Eltern waren ihr Vater Louis Cohn, der als Schlachter arbeitete, und ihre Mutter Bertha Cohn (geb. Schlönau).

Als Erwachsene lernte sie Emil Heinrich Alfred Kramer kennen, den sie am 5. Januar 1902 in Kirchdorf heiratete und seinen Namen annahm. Gemeinsam lebten sie in Wolfenbüttel und bekamen zwei Söhne und drei Töchter. Die Eheleute betrieben gemeinsam einen Friseursalon in der Breiten Herzogstraße 27, in dem sowohl Damen als auch Herren frisiert wurden. Marianne war jüdischen Glaubens, bis sie am 1. März 1916 zum evangelischen Glauben übertrat.

Die Familie Kramer wurde nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt. So wurde die Ehe zwischen Emil und Marianne auf der Grundlage der sog. „Nürnberger Gesetze“ bzw. des „Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ für nichtig erklärt. Die Nationalsozialisten behaupteten, dass es eine „jüdische Rasse“ gebe und diese besonders negative Eigenschaften habe. Aufgrund dieser Behauptung wurde Marianne durch die Nationalsozialisten als „Volljüdin“ und ihre Kinder als „Halbjuden“ bezeichnet. 

Das Geschäft der Eheleute wurde boykottiert, beobachtet, beschmiert und beschädigt. Zahlreiche Zeugenaussagen belegen dies. Aus dem Jahr 1958 liegt eine Akte vor, aus der hervorgeht, dass Kundinnen von Mitgliedern des BDM[1] belästigt und bedroht wurden. Marianne selbst durfte den Salon nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 nicht mehr betreten. 

Marianne Kramer war Diabetikerin und sie litt laut Todesurkunde an einer Herzschwäche. Am 4. November 1941 starb sie um 4:45 Uhr, nachdem sie erfahren hatte, dass sie „interniert“ werden sollte.

[1] BDM ist die Kurzform für die NS-Jugendorganisation „Bund Deutscher Mädel“

Quellen:

à Nds. Landesarchiv Standort Wolfenbüttel

u. a.

4 Nds, Zg. 22/2003, Nr. 1399

[1] BDM ist die Kurzform für die NS-Jugendorganisation „Bund Deutscher Mädel“

 

RECHERCHE: Gymnasium im Schloss: Klassen 10nwit, 10b, 10ku (2026)

Familie:
Emil Kramer
Otto Kramer
Kurt Kramer

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