Namen und Biografien

Sortiert nach Familiennamen
Lange Herzogstraße

Ludwig Ilberg

Lange Herzogstraße 49

geb. 7. September 1865 in Heiligenstadt, deportiert 1943
Theresienstadt, gest. 1944

 

Ludwig und Selma Ilberg waren die Eltern von Minna Ilbergs Schwiegertochter Klara, Ehefrau von Werner Ilberg. Nach der Flucht Werner Ilbergs nach England, die Ehe mit Klara war bereits geschieden worden, zog Klara Ilberg mit ihrem Sohn Ruben nach Berlin. Von dort aus wurden beide am 5. September 1942 nach Riga deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Sie kehrten nicht zurück.

 

Am gleichen Tag wie Minna Ilberg verließen Selma und Ludwig Ilberg Wolfenbüttel und zogen nach Berlin. Die Stadtpolizeibehörde teilte der Kreisdirektion am 8. Dezember 1938 mit, der Handelsvertreter Ludwig Ilberg habe sein Gewerbe am 19. November abgemeldet.

 

Sie kehrten nach Wolfenbüttel zurück und mussten am 15. November 1942 in das „Judenhaus“ in der Langen Straße 10 ziehen. Hier bewohnten sie ein Zimmer und eine Küche und hatten ein Kohlengelass zur Verfügung. Als Vermögen führten sie am 14. März, zwei Tage vor ihrer Deportation nach Theresienstadt am 16. März 1943, folgende (eingezogene) Vermögenswerte auf: Wohnungseinrichtung, Sparbücher und Wertpapiere in der Gesamthöhe von 3093,85 RM auf. Der Staat bezeichnete sie nun als „Reichsfeinde“. Einige Dokumente bekunden den Raub ihres ihnen noch verbliebenen Vermögens bis auf den letzten Pfennig. Sie dokumentieren auch die dafür geschaffenen bürokratischen Grundlagen und Versuche, dieser Willkür einen gesetzlichen Anspruch zu geben.

 

Am 16. März 1943 wurden die alten Herrschaften nach Theresienstadt deportiert. Die Gestapo nahm dem Ehepaar kurz vor der Deportation auch noch das verbliebene Bargeld in Höhe von 20,81 RM ab, fein säuberlich registriert.

 

In Theresienstadt kann man die letzten Spuren des Ehepaares finden, dessen Todestag das Amtsgericht Wolfenbüttel auf den 8. Mai 1945 festlegte. Ludwig Ilbergs Leiche wurde am 22. Februar 1944 eingeäschert. Er war 79 Jahre alt geworden. Die Einäscherung seiner Frau erfolgte kurz darauf am 7. März 1944. Sie starb im Alter von 70 Jahren.

 

Familie
Minna Ilberg, geb. Kuglmann
Selma Ilberg, geb. Grundmann

Selma Ilberg
geborene Grundmann

Lange Herzogstraße 46

geb. 7. September 1865 in Vlotho, deportiert 1943
Theresienstadt, gest. 1944

 

Das Schicksal von Selma Ilberg, Ehefrau von Ludwig Ilberg, finden sie unter Ludwig Ilberg.

 

Familie
Minna Ilberg, geb. Kuglmann
Ludwig Ilberg

Minna Ilberg
geborene Kugelmann

Lange Herzogstraße 46

geb. 18. Januar 1868 in Amelunxen, Flucht 1938
Palästina, überlebt

 

Wie Max Ilberg aus Heiligenstadt Minna Kugelmann aus Amelunxen bei Höxter fand und sich danach mit ihr verlobte, wird immer unbekannt bleiben. Vergessen werden darf aber nicht, dass beide, als sie ihre Zukunft planten, Wolfenbüttel das Ziel ihrer Wünsche wurde. Im März 1895 eröffneten sie in der Lessingstadt ein Geschäft für Kurz-, Woll-, Weißwaren und für Tapisserie-Produkte. Im September darauf heirateten sie. Das Paar hatte vier Kinder, die aber nicht in Wolfenbüttel heimisch wurden. Drei von ihnen flohen nach Palästina, einer, der spätere Schriftsteller Werner Ilberg, flüchtete über Prag nach England und kehrte 1947 nach Wolfenbüttel zurück.

 

Das Geschäft wurde ein großer Erfolg mit traurigem Ende: 1927 starb Max Ilberg und 1929 ging der Laden in Konkurs. Minna Ilberg versuchte immer wieder, den Laden zu vermieten. Das gelang ihr nicht, bis sie Ende 1932 einen potenten Mieter fand. Ein („jüdisches“) Kaufhausunternehmen aus Magdeburg wollte sich in Wolfenbüttel niederlassen. Das stieß auf den Widerstand der hiesigen Kaufleute und der bereits stark gewordenen NSDAP. Der Mietvertrag kam nicht zustande, da 600 Mittelständler dagegen protestierten und sogar mit Gewalt drohten. Minna Ilberg fand sich in einer entmutigenden Lage, die nach der Übergabe der Macht am 30. Januar 1933 an Adolf Hitler ständig schlimmer wurde. Bei ihr wohnten inzwischen auch Verwandte aus Heiligenstadt, Selma und Ludwig Ilberg. Die Lebensbedingungen für Juden in Wolfenbüttel verschlechterten sich zunehmend. Minna Ilberg überlegte, ob sie ihren Kindern nach Palästina folgen sollte. „Es ist ja so schwer, Entschlüsse zu fassen. Was man heute beschließt, ist morgen schon wieder über den Haufen geworfen“, schrieb sie ihrem Sohn Heinz 1936 nach Palästina. Im November schrieb sie: „Wir alten Leute, oder besser gesagt, wir alten Mütter sind so empfänglich für ein wenig Liebe, die man in der jetzigen Zeit besonders gut gebrauchen kann. Mein Zertifikat werde ich nun ausnützen. Ich will mich diese Woche impfen lassen und mir ein Gesundheitsattest geben lassen von Dr. Kirchheimer und dann sende ich das Zertifikat nach Hamburg zum Consul. Also dann wird es ernst. Bis zum 9. Dezember muß alles erledigt sein. Nun schreibt recht bald wieder.“ Ihr Grundstück erwarb im Mai 1938 der Kaufmann Heinz Niehoff. Wie sie und ihre Verwandten die Pogromnacht erlebten, ist nicht überliefert. Minna Ilberg konnte am 19. November 1938 nach Palästina abreisen und den Rest ihres Lebens im Kreise ihrer Familie verleben. Im März 1961 starb sie in einem Altenheim in Jerusalem.

 

Familie
Ludwig Ilberg
Selma Ilberg, geb. Grundmann