Namen und Biografien

Sortiert nach Familiennamen
Am Alten Tore

Else Singer
geborene Rosenthal

Am Alten Tore 6

geb. 4. Januar 1899, Flucht 1939
England, überlebt, verheiratete Adler, später Singer

 

Else Singers Eltern gehörte der große Juwelierladen Rosenthal an der Ecke zur Langen Herzogstraße. Sie verließ Wolfenbüttel und heiratete Sigmund Adler. Aus der Ehe ging die behinderte Tochter Lore hervor, die in Halle geboren wurde. Nach dem Scheitern der Ehe zog Else Adler mit ihrer Tochter nach Wolfenbüttel und lebte bei ihrer Mutter. Im April 1939 flüchtete sie allein nach England und heiratete dort Isidor Singer.

 

Nach 1945 erhielt sie das vom Nazireich geraubte Haus ihrer Eltern zurück. Später wohnte hier Emil Petzold, einer der führenden Nationalsozialisten der Stadt Wolfenbüttel. Frau Singer hielt sich immer wieder in Wolfenbüttel auf und wohnte in ihrem Haus, das schließlich ihr Nachbar Hungeling erwarb. Sie bemühte sich, auch andere Sachwerte zurückzubekommen und betraute einen Wolfenbütteler Rechtsanwalt, ihr Anliegen zu vertreten. Im April 1950 erhielt sie Schmuck ihrer Mutter zurück, den das Finanzamt in einem Fach der hiesigen Deutschen Bank deponiert hatte. Etwas später teilte der Rechtsanwalt dem Finanzamt mit, seine Mandantin habe ihn beauftragt, die nach der Deportation verkauften Möbel und Haushaltsgegenstände zurückzufordern. Er nannte den Nachnamen eines Wolfenbütteler Käufers einer Standuhr und verlangte die Adresse. Das Finanzamt antwortete einen Monat später: Der gesamte Hausrat der eingezogenen und verfallenen Vermögen wurde nach der Übernahme gesammelt und öffentlich versteigert. Es ist mir nicht mehr möglich, Namen und Anschriften der Käufer festzustellen. Zur Rückgabe verfügbar sind lediglich die z.Zt. von Finanzamt verwahrten bzw. in Gebrauch genommenen Gegenstände. Zur weiteren Mithilfe in dieser Angelegenheit bin ich nicht befugt, da der Oberfinanzpräsident Hannover auf Anordnung der Militärregierung, die Namhaftmachung von Käufern eingezogener und verfallener Vermögenswerte untersagt hat.

 

Familie
Henriette Rosenthal →
Lore Adler →

Im kalten Tale

Amalie Schloss
geborene Gans

Im Kalten Tale 6 (früher Nr. 2)

geb. 01.Juli 1860 in Jesberg, deportiert 1943
Theresienstadt, befreit/überlebt

 

Amalie Schloss und ihr Mann Nathan gehörten zu der älteren Generation der Familie Schloss. Nathan Schloss, Jahrgang 1853, starb bereits früh im Jahr 1914. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, die zwischen 1884 und nach 1900 geboren wurden. Zu Beginn des „Dritten Reiches“ hatten sie bereits Wolfenbüttel verlassen und flüchteten aus Deutschland von ihren damaligen Wohnorten nach Holland, Argentinien, Brasilien, in die Sowjetunion und in die USA. Die Überlebensgeschichte der Familie ihrer Tochter Ruth in Holland hat ihre Enkelin Helge Löwendorf-Domp in einem Buch festgehalten.

 

Nach dem Tod ihres Mannes lebte Amalie Schloss allein. Sie galt als belesen und als Goethe-Kennerin. Der nächsten Generation war sie eine beliebte Großmutter und Tante — der gute mütterliche Geist — so kann man es wohl sagen, für die große Familie Schloss in Wolfenbüttel.

 

Sie erlebte all deren Schicksale von Bedrückung, Demütigung, Gewalt, Flucht und Deportation. 1933 war sie bereits 73 Jahre alt. Im Alter von 80 Jahren musste sie ihr Haus, das ihr geraubt wurde, verlassen. Im sogenannten „Judenhaus“ in der Langen Straße fristete sie mit ihren Bekannten ein unsägliches Leben. Schon bald darauf wurde sie gemeinsam mit anderen älteren jüdischen Wolfenbüttelern in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Als einzige der alten Menschen überlebte sie die Schrecknisse dieses Ortes und kehrte zurück zu ihrer Tochter Irm nach Bremen.

 

Ihre Enkelin Helge Löwendorf-Domp schrieb über ihre Befreiung:

Sie hatte drei schreckliche Jahre in Theresienstadt überstanden, trotz ihres Alters und der erbärmlichen Umstände im Lager. Die beiden Koffer, mit denen sie 1942 ins Lager kam, hielt sie 1945 erneut fest im Griff, als das Lager befreit war und sie am Ausgang stand. Sie fragte einen alliierten Soldaten nach einer Mitnahmemöglichkeit nach Bremen. Ja, aber nur in einem offenen Lastwagen, der ja wohl nichts für ihr Alter sei. Ihre Antwort: Wenn ich Theresienstadt überlebt habe, dann überstehe ich auch das.


Sie lebte dann später bei ihrer Tochter Ruth, die mit ihrer Familie in Holland in Verstecken die deutsche Terrorherrschaft und die Gefahr der Deportation überstehen konnten.

 

Aus Deutschland nach Holland zu ziehen war zu dieser Zeit allerdings nicht möglich, da die Holländer keine Deutschen einreisen ließen. Ihr Schwiegersohn, Israel Domp, bat die holländische Königin Juliana um eine Aufenthaltsgenehmigung für die nun fast neunzigjährige Dame. Der Hilferuf an das Königshaus war erfolgreich. Sie lebte einige Jahre mit der Familie, wünschte sich aber, ihre letzten Lebensjahre in Deutschland verbringen zu können.

 

Ihr Schwiegersohn begann einen langen und ausdauernden Kampf um die Rückgabe des Wolfenbütteler Hauses, der allein schon wieder fast exemplarisch einen Blick auf den damaligen Umgang mit jüdischen Menschen in der neuen Bundesrepublik ermöglicht. Amalie Schloss wollte doch nur zurückhaben, was ihr der Staat des "Dritten Reiches" in verbrecherischer Weise geraubt hatte.

 

Aus Holland kehrte Amalie Schloss im Juni 1950 nach Wolfenbüttel zurück und lebte einige Zeit zusammen mit ihrer aus den USA ebenfalls zurückgekommenen Tochter Paula in einer kleinen Wohnung im Buchenweg. Im August 1953 zog sie nach Hannover in ein Jüdisches Altenheim. Eine tragische Geschichte, sicher, aber auch eine Geschichte, die letztlich einen Triumph über die Unmenschlichkeit in sich barg: Die Genugtuung für eine alte und agile Dame, die dann im Alter von 97 Jahren am 15. Juli 1957 starb.

 

Text: Nach einer Vorlage von Dennis Brennecke, Dennis Liedtke und Felix Jahnke, Schüler des Gymnasiums im Schloss

Halchtersche Straße

Helene Schloss
Geborene Spiegel

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6)

geb. 22. Dezember 1868, gedemütigt/entrechtet
Flucht in den Tod, 19. September 1939

 

Helene Schloss war immer die Seele der Familie. Seit Anbeginn der schrecklichen Stunden, Tage, Monate und Jahre dieser schrecklichen Zeit war sie immer da für ihre Familie, nie hat sie eines ihrer Kinder im Stich gelassen. Immer hat sie ihr Wohl vor das eigene gestellt. Auch in Zeiten ihrer Verzweiflung versuchte sie doch immer Hoffnung zum Ausdruck zu bringen und ihre Mitmenschen zu stärken. Ohne Helene wäre Nathan Schloss, ihre Ehemann, wohl nie gewesen, wer er war, und es lässt sich annehmen, dass er nach ihrem Tod zunächst nicht wusste, was er ohne sie sein wird. Nach der schrecklichsten Nächte ihres Lebens, der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, schwand ihre Hoffnung und damit auch ihre Motivation zu leben. Sie wurde von Nationalsozialisten, die die Wohnung überfielen, ins Gesicht geschlagen.

 

Die entsetzlichen Ereignisse, welche Helene mit ansehen und erleben musste, verdunkelten ihre Seele. Zwar hoffte das Ehepaar noch auf eine Genehmigung zur Flucht nach Chile, doch nach Wochen des Wartens wurden sie enttäuscht. Auf Grund Helenes seelischer Verfassung nach den furchtbaren Taten hielt sie die Verhältnisse und Umstände nicht mehr aus und flüchtete sich Ende September des Jahres 1939 mit einem Schlafmittel in den Tod. Ein Schock für alle, wie ein Schlag ins Gesicht. Dies zeigt ein Brief von Nathan Schloss an seine Kinder: „Nur über eins bin ich traurig, dass unsere geliebte Mutter nicht mehr unter uns ist und Euch so plötzlich allein gelassen hat. Und der Gedanke, dass ich sie hier in der kalten Erde allein zurücklassen muss, ist für mich ein schrecklicher.“

 

Text: Nach einer Vorlage von Tillmann Achilles und Nele Meineke, Schüler des Gymnasiums im Schloss

Familie
Nathan Schloss
Gretel Schloss
Liesel Levy
Lore Bodek
Resi Liebmann
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss


Frieda Schloss
geborene Neuhaus

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6.)

geb. 05. Februar 1887 in Goslar, deportiert 1942
Ghetto Warschau, ermordet

 

Frieda Schloss arbeitete lange Jahre bei der Familie des Viehhändlers Nathan Schloss. Nach dem Tod dessen Frau Helene heiratete sie 1941 ihren früheren Arbeitgeber. Im Oktober 1941 zwang man sie zu einem Umzug aus ihrem Haus in der Halchterschen Straße in zwei Zimmer im „Judenhaus“ Karrenführerstraße 5.

 

Im März 1943 musste auch Frieda Schloss eine Vermögenserklärung ausfüllen, die üblicherweise vor der Deportation vom Finanzamt gefordert wurde. Darin listete sie das noch erhaltene Vermögen auf, das sie teilweise von Nathan übernommen hatte, über das sie aber nur mit behördlicher Genehmigung verfügen konnte: Wertpapiere IG Farben, 3000,00 RM. Neben anderen Dingen auch noch ein paar Möbel: 1 Schrank, steht bei Roseboom, bereits verkauft an Landwirt D. in Groß Biewende. Als Gesamtvermögen gab sie 10.157 RM an. Am 31. März schrieb sie der Gestapo in Braunschweig, sie habe sich im Zusammenhang mit der Miete für das Haus in der Halchterschen Straße geirrt und bat gütigst um Entschuldigung. Aus einem Schreiben des Wolfenbütteler Finanzamtes an die Dresdner Bank wird ihr weiteres Schicksal erkennbar: Die 1942 aus dem Reichsgebiet abgeschobene Jüdin Frieda Schloss. „Abschiebung“ war einer der Begriffe, mit denen der nationalsozialistische Staat die Deportation in die Vernichtungslager kaschierte. Wo und wie Frieda Schloss umgekommen ist, wird wohl nie herauszufinden sein.

Familie
Helene Schloss
Nathan Schloss
Gretel Schloss
Liesel Levy
Lore Bodek
Resi Liebmann
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss

 

Nathan Schloss

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6)

geb. am 14. Dezember 1882 in Zimmersrode, „Schutzhaft 1938, Buchenwald
entlassen 1938, tot 28. Januar 1942

 

Nathan Schloss war ein erfolgreicher Viehhändler. Das weit über die Grenzen der Region Braunschweig bekannte Unternehmen führte er mit seinem Bruder Louis, der mit seiner Familie in der Lessingstraße wohnte.

 

Nathan und Helene Schloss hatten vier Töchter. Die Familie unternahm mit dem Auto viele Ausflüge in den Harz. Nathan nahm seine Töchter manchmal mit, wenn er Viehmärkte in der Umgebung besuchte. Doch wenn er auch bei Spaziergängen in Wolfenbüttel gemeinsam mit den Kindern mit judenfeindlichen Parolen beschimpft wurde, engagierte er sich bis zuletzt als Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Wolfenbüttel. In der Pogromnacht wurden er und die anderen zusammengeholten jüdischen Männer in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Über seine dortigen Erlebnisse hat er nach seiner Entlassung, wie seine Tochter später berichtete, nie mit jemandem gesprochen. Als sorgender Familienvater bemühte er sich jedoch schon frühzeitig, seinen vier Töchtern im Ausland ein besseres Leben zu ermöglichen.

 

Der Versuch, zu seiner Tochter Liesel nach Chile zu fliehen, misslang. Einige Jahre nach dem Tod seiner Frau Helene heiratete er die ehemalige Haushälterin Frieda Neuhaus. Im Oktober 1941 mussten sie aus ihrem Haus an der Halchterschen Straße in das „Judenhaus“ Karrenführerstraße 5 umziehen. Als Nathan Schloss am 26. Januar 1942 in seiner Funktion als Gemeindevorsteher Freunde zum Zug nach Braunschweig begleitete, von wo sie aus deportiert werden sollten, starb er auf dem Bahnsteig aufgrund von Herzversagen einen natürlichen Tod.

 

Das Wolfenbütteler Finanzamt vereinnahmte seinen Nachlass und führte über den Rest wie folgt Protokoll:
1 Gehrock, 2 Straßenanzüge, 1 Wintermantel, 1 Übergangsmantel, 2 Herrenhüte, 10 Oberhemden, 6 Unterwäsche, 6 Krawatten, 12 Kragen, 6 Paar Strümpfe. Aufgeführte Bekleidungsstücke sind, da minderwertig, bereits vom Finanzamt Wolfenbüttel mit dem Eigentum der abgeschobenen Ehefrau verwertet worden.“

 

Seine Zeit in Wolfenbüttel unter den nationalsozialistischen Repressionen beschrieb Nathan in einem Brief an seine Kinder mit diesem resignierenden Satz:
„Schließlich fällt auch mal der stärkste Baum, wenn dauernd auf ihn eingeschlagen wird.“

 

Text: Nach einer Vorlage von Moritz Krappitz und Oliver Großmann, Schüler des Gymnasiums im Schloss

 

Familie
Helene Schloss
Gretel Rosenberg, geb. Schloss
Liesel Levy, geb. Schloss
Lore Bodek, geb. Schloss
Resi Liebmann, geb. Schloss
Frieda Schloss
Louis Schloss
Johanna Schloss, geb. Bildesheim
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss

Margret Schloss
verheiratete Rosenberg

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6)

geb. 11. Mai 1914 in Wolfenbüttel, Flucht 1939
Australien

 

Margret („Gretel“) und ihre Zwillingsschwester waren die erstgeborenen Kinder ihrer Eltern Nathan und Helene Schloss.

 

Für ihre Ausbildung zur Säuglingsschwester im jüdischen Krankenhaus in Berlin verließ Gretel bereits im Alter von 17 Jahren Wolfenbüttel. Später arbeitete sie in Halle als Kinderpflegerin. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Paul Rosenberg kennen. Paul wurde in der Reichskristallnacht festgenommen und ins KZ Buchenwald deportiert. Nach sieben schrecklichen Wochen konnte er das KZ verlassen, weil er eine Einreiseerlaubnis für Australien vorlegen konnte. Mitte Januar 1939 heiraten Margret und Paul und flüchteten nach Australien.

 

Text: Nach einer Vorlage von Christian Schliephake, Pascal Holdt und Tom Wiehbusch, Schüler des Gymnasiums im Schloss


Familie
Helene Schloss
Nathan Schloss
Frieda Schloss
Liesel Levy
Lore Bodek
Resi Liebmann
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss


 

Liesel Schloss
verheiratete Levy

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6)

geb. 11. Mai 1914 in Wolfenbüttel, Flucht 1939
Chile

Mit ihrem Vater Nathan, Mutter Helene und ihren Geschwistern Gretel, Resi und Lore wohnte sie in der Halchterschen Straße 6. Nach Abschluss der Mittleren Reife machte sie eine Ausbildung als Krankenschwester. Da sie in Münster eine Anstellung fand, verließ sie Wolfenbüttel. Dort heiratete sie den Kaufmann Walter Levy und gebar 1938 Sohn Rolf. Ein Jahr später flohen sie gemeinsam nach Chile.

 

Es war sicher keine einfache Auswanderung im Jahr 1939, doch Liesel, ihr Mann Walter und Sohn Rolf erhofften sich in Chile ein besseres Leben als im nationalsozialistischen Deutschland. Es ging ihnen nach eigener Aussage ganz gut. Deshalb wollte Liesel ihren Vater Nathan zu sich nach Chile holen. Das misslang aufgrund der vielen Bedingungen, die er nicht erfüllen konnte. Sie konnte ihren Vater nicht vor dem Tod bewahren. Die Familie fand nie mehr zusammen. Liesel Levy verband mit der Auswanderung den Wunsch, ein Leben ohne Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung und Tod führen zu können, wie sie es in ihrer Jugend in Wolfenbüttel noch erleben durfte, als sie mit ihrer Schwester Gretel unbeschwert auf Bällen hatte tanzen können.

 

Text: Nach einer Vorlage von Dennis Brennecke, Dennis Liedtke und Felix Jahnke, Schüler des Gymnasiums im Schloss

Familie
Helene Schloss
Nathan Schloss
Frieda Schloss
Gretel Schloss
Lore Schloss
Resi Schloss
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss


 

Lore Schloss
verheiratete Bodek

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6)

geb. 15. Juli 1919 in Wolfenbüttel, Flucht 1939
England

Lore Bodek wurde in Wolfenbüttel als dritte Tochter von Nathan und Helene Schloss geboren. Sie besuchte die Mittelschule, wo sie noch die Mittlere Reife erlangen konnte. Sie engagierte sie sich im Synagogenchor und nahm an Sportwettkämpfen teil. Allerdings wurde Lore auch stark benachteiligt, indem ihr aufgrund ihrer jüdischen Herkunft die Teilnahme an einem Tanzkurs, an dem sie mit ihrem Freund Joachim Esberg tanzen lernen wollte, untersagt wurde. Eine besonders präsente Erinnerung dieser Zeit ist, als sie am 17. Juli 1935 Adolf Hitler gesehen hat. Später erinnerte sie sich noch genau, wie sie hinter einem Fenster versteckt beobachtete, wie Hitler mit einem Auto an ihrem Haus vorbei fuhr. In dieser Situation konnte sie allerdings das Ausmaß dieser Begegnung noch nicht ermessen. Einige Jahre später schreibt sie in einem Brief: „ Ich danke dem lieben Gott, dass meine lieben Eltern das furchtbare Schicksal des Todes in einem Konzentrationslager erspart war. So sind sie wenigstens in Wolfenbüttel auf dem jüdischen Friedhof begraben.“

 

Am 15. März 1939 konnte sie mit Hilfe eines „Haushalts-Permits“ nach England flüchten. Nach ihrer Ankunft arbeitete sie zunächst bis 1941 als Haushaltshilfe in vorwiegend jüdischen Familien und konnte sich später nach einem Selbststudium in Stenographie ihren Wunsch erfüllen, als Sekretärin in einem Büro zu arbeiten. Von London aus hielt sie schriftlichen Kontakt zu ihrem nach Gent in Belgien geflohenen Freund Joachim Esberg, der am Tag vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in das Nachbarland gemeinsam mit anderen Ausländern durch die belgische Regierung in ein Lager in den Pyrenäen gebracht worden war. Sie hat ihn nie wieder gesehen. Joachim Esberg wurde in Auschwitz ermordet. Lore heiratete in London den Österreicher Leo Bodek aus Wien und gründete eine Familie, deren Mitglieder bei der Stolperstein-Verlegung im Oktober 2014 anwesend waren. Im Mai 2015 lebte sie im Alter von 95 in einem Seniorenheim in Nord-London.

 

Text: Nach Vorlage von Marie Thielitz, Vanessa Maue und Leyla Olcay, Schülerinnen des Gymnasiums im Schloss

 

 

Grußworte von Lore Bodek zur Verlegung der Stolpersteine am 25.10.2014:

 

Ich bedaure es sehr, dass ich heute nicht in Wolfenbüttel sein kann. Gesundheit und Alter hindern mich am Dabeisein. Meine Gedanken aber sind in diesem Moment bei Ihnen. Meine Familie litt damals unter einem großen Verlust und großen Herzschmerzen. Wir trauern und vermissen und erinnern uns.

 

Als meine Schwester Resi und ich Wolfenbüttel 1938 und 39 verließen, flüchtete unsere Schwester Liesel nach Chile — und Schwester Gretel gelang die Ausreise nach Australien. Resi und ich kamen sicher in England an. Ich habe meine Eltern, meine Schwestern und die anderen Familienmitglieder nie wieder gesehen.

 

Ich bin zweimal in meine Heimatstadt Wolfenbüttel zurückgekehrt — aufgrund Ihrer Einladung — mit besonderem Dank für Jane und Jürgen Kumlehn. Es waren ganz besondere Augenblicke für mich, die ich sehr wertschätze. Meine englische Familie wird mich an diesem Wochenende vertreten. Ich sende Ihnen all meine Liebe und bitte Sie, mich in Ihre Erinnerung aufzunehmen und auch in Ihren Gebeten.

 

Lore Schloss-Bodek

 

Familie
Helene Schloss
Nathan Schloss
Frieda Schloss
Gretel Schloss
Liesel Schloss
Resi Schloss
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss

Resi Schloss
verheiratete Liebmann

Halchtersche Straße 18 (früher Nr. 6)

geb. 09. Oktober 1920 in Wolfenbüttel, Flucht 1939
England

 

Resi Schloss beschrieb sich selbst als zurückhaltend. Sie führte diese Schüchternheit auf ihre frühen Begegnungen mit dem Antisemitismus in Wolfenbüttel zurück. Obwohl sie laut eigener Aussage „so richtig arisch blond“ aussah, durfte sie als Jüdin nicht mit auf einen Klassenausflug ihrer Schule in die Lüneburger Heide. „Es hat in Strömen geregnet. Darüber habe ich mich sehr gefreut.“

 

Seit diesen früher Erfahrungen war ihr fortan bewusst, dass sie anders war. Genau wie wir, besuchte Resi damals die Schule im Wolfenbütteler Schloss. Nachdem Mitschülerinnen ihr jedoch gedroht hatten, sie zu melden, verließ sie die Mittelschule ohne Abschluss. Anschliessend fand sie bis zu ihrer Flucht im Jahr 1939 eine Anstellung als Haushaltshilfe in Münster, dann in Aachen - und später in einem jüdischen Altenheim. Während ihrer Zeit in Münster war die künstlerisch begabte Resi Mitglied im Synagogenchor und dem jüdischen Turnverein. Am 15. August 1939 gelang ihr die Flucht nach London mit einem „Haushalts-Permit“. Ihr neues Umfeld ermöglichte ihr die Entfaltung ihrer künstlerischen Begabung, die ihr in Deutschland verwehrt worden war. In London nahm sie an der Schreibwerkstatt „write your own story“ teil.

 

1947 fand Resi schließlich ihr Glück, heiratete Erich Liebmann und schrieb noch 2001 ihren Freunden, sie führe ein gutes Leben.

Text: Nach einer Vorlage von Eileen Kramer und Aaron Hildebrandt, Schüler des Gymnasiums im Schloss

Familie
Helene Schloss
Nathan Schloss
Frieda Schloss
Gretel Schloss
Liesel Schloss
Lore Schloss
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss

Lessingstraße

Louis Schloss

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 18. Januar 1881 in Zimmersrode, Heimatort verlassen, 1937 Berlin, deportiert
Riga, ermordet 1942

 

 

Louis Schloss betrieb zusammen mit seinem Bruder Nathan die weit über Wolfenbüttel bekannte Viehhandlung Schloss, deren Geschäftsräume sich in der Halchterschen Straße befanden. Die Brüder waren unversehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekommen. Louis Schloss hatte als kaisertreuer Deutscher einen großen Teil seines Vermögens in Kriegsanleihen angelegt – und alles verloren. Mit seiner Ehefrau Johanna und den Kindern Helmut und Lotte wohnte er in dem Haus in der Lessingstraße, direkt neben der Synagoge. SA-Kolonnen, die unter der Musikbegleitung der SA-Kapelle Pinkernelle zum Sportplatz an der Meesche marschierten, machten sich einen Spaß daraus, vor dem Haus der Familie und vor der Synagoge anzuhalten und eines der widerlichsten Lieder der Nationalsozialisten zu singen, in dem es unter anderem heißt: „Wenn’s Judenblut vom Messer rinnt ..!“ Anbetracht der immer schlimmer werdenden Lebensverhältnisse in Wolfenbüttel zog die Familie 1937 nach Berlin, weil sie glaubte, in der Großstadt als Juden weniger beachtet zu werden. In dem Haus wohnte auch der Kantor der Jüdischen Gemeinde, Ernst Steinberg mit seiner Frau Hannah.

Johanna und Louis Schloss wurden von Berlin aus 1942 deportiert und in einem Wald bei Riga mit vielen anderen Deportierten erschossen.


Tochter Lotte Strauss schrieb in ihrem Buch „Über den grünen Hügel“ über den alptraumartigen Tod ihrer Eltern, es sei schwierig, das niederzuschreiben: Am Jahresende 1942 wurden 40.000 Juden, meistens aus Deutschland und Frankreich, in die Wälder bei Riga gebracht. Darunter war auch der 22. Osttransport mit 791 Juden aus Berlin. Man hatte sie mit regulären Personenzügen transportiert - nicht mit Viehwagen, in denen sie normalerweise deportiert wurden. Das muß den Passagieren etwas Sicherheit gegeben haben und kaschierte die Absicht der Nazis, ihnen einen besonders grausamen Tod zu bereiten: Massenhinrichtung. Bevor der Zug das Rigaer Getto erreichte, wurde er zu dem kleinen Ort Salaspils umgeleitet. Hier kam es auf der Rampe zu einer Aufteilung: Fünfzig junge Männer brachten die Bewacher zu einer Zuckerfabrik in Mitau, einige andere mußten beim Bau des Konzentrationslagers Kaiserwald helfen. Alle anderen - mehr als 700 Menschen - wurden in den Wald zur Hinrichtungsstätte gebracht, wo russische Kriegsgefangene bereits die Gruben ausgehoben hatten. Die Menschen mussten sich ausziehen und an der Grube nebeneinander mit dem Gesicht nach unten, oder auch übereinander, hinlegen. Mit Maschinengewehrsalven wurden sie umgebracht.


Strauss, Lotte, Over the green hill, A German Jewish memoir 1913-1943, New York 1999.

Strauss, Lotte, Über den grünen Hügel - Erinnerungen an Deutschland, Berlin 1997.

 

Familie
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss
Nathan Schloss
Helene Schloss
Gretel Schloss
Liesel Schloss
Lore Schloss
Resi Schloss
Frieda Schloss

Johanna Schloss
geborene Bildesheim

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 1. Juni 1885 in Salzkotten, Heimatort verlassen, 1937 Berlin
deportiert, ermordet 1942

 

Johanna Schloss führte den Haushalt der Familie Louis Schloss. An der Seite ihres Mannes durchlebte sie frohe Zeiten wie zum Beispiel seine Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg. Sie war auch an seiner Seite, als sie in der Nähe von Riga erschossen wurden und in einem Massengrab das furchtbare Ende nach einem hoffnungsvollen Leben fanden. Ihre Tochter Lotte Strauss schrieb über sie in ihrem Buch „Über den grünen Hügel“: Wie zur damaligen Zeit üblich, war das häusliche Leben so organisiert, daß die größte Last auf den Schultern der Hausfrau lag. Meine Mutter hat - ich glaube, wie alles in ihrem Leben - diese Aufgabe mit großem Eifer übernommen. Sie sorgte für ihre Familie, wie sie es seit jungen Jahren gewöhnt war. Ich glaube, es entschädigte sie für die vielen Entbehrungen in ihrem Leben.

Vor dem Umzug in das Haus in der Lessingstraße hat­te meine Mutter sich vergewissert, daß sie eine bequeme und »praktische« Küche bekommen würde. Da Backen ihr Hobby war, hatte sie einen großen Backofen einbauen las­sen. (In den 30er Jahren lernten wir beide von einen wirk­lichen Konditor Torten und Schokoladentrüffel machen, zur Vorbereitung einer Auswanderung, die - nie stattfinden sollte.) In der Küche gab es außerdem einen speziellen Herd, genannt »Grude«, der mit feingemahlener Kohle ge­heizt wurde, die es erlaubte, eine schwache Glut auf nie­drigen Temperaturen zu halten. Mutter hatte den Ehrgeiz, Vater ein warmes Essen vorzusetzen, wenn er spät von einer Überlandfahrt nach Hause kam, und bei den Fami­lienfesten ein sorgfältig vorbereitetes, warmes Mahl zu ser­vieren. Ich habe eine liebevolle Erinnerung an meine Mut­ter, als einer immer geschäftigen und fürsorglichen Frau, die Früchte und Gemüse einmachte, das Fleisch pökelte und Eier in einer glasigen Flüssigkeit für den Winter ein­legte. Der Herbst war eine der arbeitsreichsten Jahreszei­ten für sie, wenn ganze Körbe mit Früchten im Keller ver­staut werden mußten oder Pflaumenmus in einem großen Kupferkessel gekocht wurde. In regelmäßigen Abständen kam eine Waschfrau und beherrschte den ganzen Haushalt.


 

 

Familie
Louis Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Helmut Schloss
Nathan Schloss
Helene Schloss
Gretel Schloss
Liesel Schloss
Lore Schloss
Resi Schloss
Frieda Schloss

Lotte Strauss
geborene Schloss

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 2. August 1913 in Wolfenbüttel, Flucht 1943 Schweiz

 

 

Lotte Strauss hat ihr Leben und das ihrer Familie in Wolfenbüttel in einem englischsprachigen und deutschsprachigen Buch der Zukunft überliefert. Sie heiratete in zweiter Ehe den Historiker und späteren (1982- 1990) Gründungsdirektor des Berliner „Zentrums für Antisemitismusforschung“, Herbert Strauss. Ihnen gelang die Flucht über die Schweiz in die USA. Über ihre Wolfenbütteler Zeit sollen hier zwei Zitate aus ihrem Buch ihre Haltung zu Wolfenbüttel dokumentieren:

 

Meine Schule, die nicht weit von zu Hause lag, war keine normale Schule, jedenfalls nicht im gewöhnlichen Sinne: Sie war im Schloß, beziehungsweise in einem Flü­gel des Schlosses untergebracht, demselben, das die Her­zöge von Braunschweig-Wolfenbüttel 1753 verlassen hat­ten. Der offizielle Name war Anna-Vorwerk-Oberlyzeum, wir nannten sie »die Schloßschule«. „. Die Schule, in die ich kam, war ein Lyzeum oder Gym­nasium mit neun Klassen bis zum Abitur. Vorher mußte ich vier Jahre eine der privaten Grundschulen besuchen; diese wurden aufgelöst, als die Volksschule - eine öffent­liche Grundschule - eingeführt wurde. (…)

 

Der Lehrplan entsprach dem eines Realgymnasiums, mit besonderer Betonung der Fremdsprachen. In den unte­ren Klassen wurden wir in Deutsch unterrichtet, vor allem in der deutschen Grammatik; das Nibelungenlied brachte man uns als Beginn der deutschen Geschichte bei. Es war ein bewußter Versuch, unsere deutsche Identität zu stär­ken, als wir zehn oder elf Jahre alt waren: deutsche Hel­denverehrung in der Weimarer Republik! Wir lernten auch griechische und römische Geschichte und lasen im Unterricht die Odyssee und die Ilias, was mir eine gute Grundlage in der Alten Geschichte verschaffte. (…) Eine andere Erinnerung aus meiner Schulzeit ist mit einer Religionsstunde verbunden. Wolfenbüttel ist eine pro­testantische Stadt, und die Schüler mußten in evangeli­scher Religion unterrichtet werden. Christliche Ethik und die frühe Entwicklung der christlichen Religion zählten zu den Inhalten dieser Stunden, die der evangelische Pastor Clemens hielt. Ich war das einzige jüdische Mädchen in der Klasse und wurde von der Teilnahme freigestellt. Mei­stens fand der Unterricht am frühen Morgen statt. Ich konnte länger schlafen. Aber der Stundenplan änderte sich: Die Religionsstunde wurde in die Mitte der Unterrichtszeit verschoben. Es hatte keinen Sinn, für so kurze Zeit nach Hause zu gehen, deshalb fragte ich Pastor Clemens, ob ich mich hinten in den Klassenraum setzen und meine Haus­aufgaben machen dürfe. Er erlaubte es mir und vergaß meine Gegenwart.

 

Eine Zeitlang funktionierte die Vereinbarung gut, aber plötzlich, während einer Unterrichtsstunde, bemerkte ich daß sich die Gesichter meiner Mitschülerinnen mir wie auf Befehl zugewandt hatten und viele von ihnen zu kichern begannen. Dann hörte ich, wie Pastor Clemens über die Juden sprach, die in römischer Zeit die Christen an ihre römischen Verfolger verraten hätten, und daß viele Christen bei diesen unmenschlichen Greueltaten der Juden ihr Leben verloren hätten.

 

Im Mai 1983 nahm sie in Begleitung ihres Mannes an einem Kongress in Wolfenbüttel teil. Die Teilnehmer waren zu einem Empfang geladen, bei dem der stellvertretende Bürgermeister Dr. Kurt-Günter Dorow eine Rede hielt. Dazu Lotte Strauss: Der Empfang, den der Bürgermeister den Teilnehmern der Konferenz gab, fand in den Räumen meiner früheren Schule, der Schloßschule, statt, die in ihrem herzoglichen Glanz restauriert worden war. Es schien mir widersinnig, als frühere Bürgerin von Wolfenbüttel willkommen geheißen zu werden, während mich qualvolle Erinnerungen erfüllten. So sehr ich mir der guten Absicht des öffentlichen Beifalls bewußt war, vermißte ich jegliche Erwähnung der schrecklichen Ereignisse, die meine Familie und meine Gemeinschaft zerstört hatten. Die Geschichte von Wolfenbüttel, die von der Stadt veröffentlicht und mir bei diesem Empfang überreicht wurde, erwähnte weder die jüdische Gemeinde noch ihren Beitrag zum Leben der Stadt und ihr tragisches Ende.

Familie
Louis Schloss
Johanna Schloss
Helmut Schloss
Nathan Schloss
Helene Schloss
Gretel Schloss
Liesel Schloss
Lore Schloss
Resi Schloss
Frieda Schloss

Helmut Schloss

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 20. Juli 1915 in Wolfenbüttel, Flucht 1937
Palästina, überlebt

 

Seine Schwester Lotte berichtet in ihrem Buch:

 

Helmut war zwei Jahre jünger als ich und trottete regelmäßig hinter mir her, wenn ich in den Kindergarten ging oder Freundinnen besuchte. Er kletterte sogar heimlich in eine Straßenbahn, als ich in die erste Klasse ging und er mit mir auf Schulausflug gehen wollte. Als wir noch kleine Kinder waren, spielten wir am Haus und im Garten; dort hing eine Schaukel an einem der Apfelbäume, und es gab eine Laube für die ruhigeren Sommerstunden. Wir fürchteten das tägliche Mittagschläfchen und bemühten uns, es zu umgehen, bis uns das Versprechen einer Geschichte dazu verführte. Die Geschichten aus Hoffmanns Struwwelpeter, von dem kleinen Jungen, der nicht essen wollte, und daß sein Benehmen ernste Folgen haben könnte, gefiel mir gar nicht. Ich war selbst eine schlechte Esserin. Ebensowenig mochte ich die berühmte Geschichte über Max und Moritz von Wilhelm Busch. Nur einige der Märchen der Brüder Grimm und Hans Christian Andersens erfüllten ihren Zweck.

 

Helmut Schloss gelang nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung in einem Hachschara-Lager die Flucht nach Palästina: Im Kibbuz Givat Brenner wurde er dazu abgestellt, schwere landwirtschaftliche Maschinen zu bedienen. Im Jahr 1937 fuhr er gepanzerte Mannschaftswagen für die britische Militärpolizei und wurde zu ziemlich gefährlichen Missionen auf arabisches Territorium geschickt, als er der jüdischen Untergrundarmee beitrat. Den Rest seines Lebens verbrachte er als angesehenes Mitglied der Bus-Kooperative »Egged«. Während der verschiedenen Kriege, die Israel seit der Gründung des Staates führen mußte, wurde er für die Reservearmee gemustert und transportierte Truppen und Nachschub an die Fronten. Helmut Schloss starb 1991. Er wurde in israelischer Erde begraben, fern der Verfolgungen, denen seine Eltern zum Opfer fielen und die die Gemeinschaft seiner Jugend zerstört hatten. (Lotte Strauss)

 

Text: Nach einer Vorlage von Eileen Kramer und Aaron Hildebrandt, Schüler des Gymnasiums im Schloss

 

Familie
Louis Schloss
Johanna Schloss
Lotte Strauss, geb. Schloss
Nathan Schloss
Helene Schloss
Gretel Schloss
Liesel Schloss
Lore Schloss
Resi Schloss
Frieda Schloss

Fanny Steinberg
geborene Grünewald

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 26. Oktober 1872 in Pömbsen, Opfer des Progroms
gedemütigt/entrechtet, tot 1941

 

Fanny Steinberg erlebte die Nacht des Pogroms zum 10. November 1938 in ihrer Wohnung gemeinsam mit ihrem Mann. Ein „arischer“ Mitbewohner hat den Überfall der Nationalsozialisten auf das alte Ehepaar beobachtet: Eine Treppe tiefer wurde ich dann, ungesehen durch das Treppenhaus, Zeuge einer unvorstellbaren Szene: Die alte Frau Steinberg mit offenen Haaren flehte auf den Knien laut um Gnade für ihren völlig hilflosen Mann. Der alte, stark behinderte Mann wurde von einer Runde hin- und hergestoßen, hatte dabei wohl seine Brille verloren, war völlig hilf- und orientierungslos. Plötzlich ergriff man ihn, und zwei von den SS-Junkern schlugen erbarmungslos mit abgebrochenen Besenstielen auf seinen Rücken und in die Kniebeugen. Dazu die verhöhnenden Dauerfragen: „Sag, Du Schwein, warum hast Du die Synagoge angesteckt?!” Eine Gruppe zerschlug die Wohnungseinrichtung, einer von ihnen zertrümmerte brüllend die Amati-Meistergeige des jungen Steinberg am Geländerpfosten der Haustreppe. Sinnlose, hemmungslose Zerstörungswut. Inzwischen kippten zwei Männer das Oberteil des Küchenschrankes gegenüber der Eingangstür auf den Fußboden. Klirren, Splittern, Krachen, Brüllen und Hilfeschreie, eine Stätte des Schreckens.

 

Fanny Steinberg starb am 16. Juni 1941 in einem Jüdischen Krankenhaus in Hannover.

 

Familie
Erich Steinberg
Ernst Steinberg
Hannah Steinberg
Siegfried Steinberg

Siegfried Steinberg

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 20. Mai 1874 in Sundwig, Opfer des Progroms, „Schutzhaft“ 1938, Buchenwald
deportiert 1942, Warschau, Schicksal unbekannt

 

Siegfried Steinberg war der Kantor der jüdischen Gemeinde und wohnte mit seiner Familie neben der Synagoge im Haus der Familie Schloss. An ihn erinnerten sich fast alle jüdischen Damen und Herren als ihren Religionslehrer, der in der Synagoge Unterricht erteilte. Siegfried Steinberg und Ehefrau Fanny mit den Kindern Ruth und Ernst haben vorher in Steinheim gewohnt. Siegfried Steinberg kam im Oktober 1908 aus Castrop nach Steinheim bei Höxter und lehrte an der dortigen jüdischen Volksschule. Nach einem Beschluss der Bezirksregierung Minden musste die Schule, die nur noch drei Schüler hatte, aufgelöst werden. Er zog nach Dessau und kam im Dezember 1925 nach Wolfenbüttel. Die Familie wohnte zunächst in der Schützenstraße im Haus der Familie Kirchheimer. Steinberg war von der Gemeinde als Kantor angestellt, in Adressbüchern ist er unter der Rubrik „Jüdische Gemeinde“ als „Beamter“ aufgeführt. In der Pogromnacht wurde die Familie Steinberg überfallen, Vater und Sohn in das KZ Buchenwald verschleppt. Siegfried Steinberg durfte am 21. November zurückkehren. Das alte Ehepaar musste sich offenbar trennen, denn Fanny Steinberg starb am 16. Juni 1941 im Jüdischen Krankenhaus in Hannover. Nach dem Tod seiner Frau hatte Steinberg versucht, seinem bereits 1939 nach Ecuador geflüchteten Sohn zu folgen. Er wollte sein Cello mitnehmen. In dem Fragebogen für Auswanderer hatte er am 5. Oktober 1941 die Frage nach seinen beruflichen Plänen mit dem Vorhaben beantwortet, seinen Beruf als Lehrer wieder aufzunehmen und möglicherweise als Cellist zu arbeiten. Warum ihm die Flucht nicht gelang, konnte nicht festgestellt werden. Am 17. März 1942 füllte Siegfried Steinberg in seiner Zwangswohnung (1 Zimmer, das als Wohn- und Schlafzimmer dient.) im „Judenhaus“ Lange Straße 34, in der er seit 15. Oktober 1941 wohnen musste, die Vermögenserklärung aus. Auf die Frage „Jude?“ antwortete er mit einem Ja! mit Ausrufezeichen. Am 31. März 1942 wurde er nach Warschau deportiert. Er kehrte nicht zurück.

 

Familie
Erich Steinberg
Ernst Steinberg
Fanny Steinberg
Hannah Steinberg

Hannah Steinberg
geborene Loewe

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 29. April 1911 in Halle, Flucht 1939
Ecuador, überlebt

 

Während ihr Mann Erich im Konzentrationslager Buchenwald auf eine Entlassung hoffte, schrieb sie als Reaktion auf den Überfall in der Nacht zum 10. November 1938 dem Staatsministerium des Innern in Braunschweig einen Brief, den man als mutig bezeichnen muss:
Bezugnehmend auf die von meinem Mann Ernst Steinberg, Wolfenbüttel, Lessingstraße 4 in Erfüllung der Verordnung zur Aufstellung des jüdischen Vermögens Ende Juni eingereichte Vermögensaufstellung erlaube ich mir, folgende Vermögensveränderung mitzuteilen:

 

Das Gesamtvermögen hat sich verringert um 1.) 600,--. Mk., weil die in der Vermögensaufstellung mit berücksichtigte Geige am 10. November 1938 unbrauchbar geworden ist;

 

Hannah Steinberg verlangte die Änderung ihrer Vermögensaufstellung, weil Nationalsozialisten beim Überfall in der Pogromnacht Steinbergs Amati-Geige zerschlagen hatten. Am 22. Dezember 1938 schrieb sie dem Finanzamt in Wolfenbüttel einen weiteren Brief: Da die in meinem Schreiben vom 13. ds. Mts. an das Ministerium des Innern gemachte Vermögensveränderungsanzeige falsch war, habe ich heute die abschriftlich beiliegende berichtigte Anzeige an das Ministerium gesandt. Ich bitte daher höflichst, die bereits fällige Rate von 450.- Mk. bis zur endgültigen Entscheidung zu stunden. Hochachtungsvoll - die handschriftliche Unterschrift lautet nun: Frau Ernst Steinberg - Hanna geb. Loewe. Ist Frau Steinberg gezwungen worden, diese Korrektur zu schreiben, da es den Adressaten nicht genehm war, die von den SS-Leuten in der Wohnung angerichteten Zerstörungen dokumentiert zu sehen? Die frühe Rückkehr von Ernst Steinberg aus dem KZ Buchenwald lässt vermuten, dass er seine Flucht bereits organisiert und das der Gestapo hatte belegen können. Das Ehepaar flüchtete mit ihrem Sohn am 9. März 1939 nach Quito in Ecuador.

 

Familie
Erich Steinberg
Ernst Steinberg
Fanny Steinberg
Siegfried Steinberg

Ernst Steinberg

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 19. Januar 1906 in Einbeck, Opfer des Progroms, „Schutzhaft“ 1938, Buchenwald
Flucht 1939, Ecuador, überlebt

 

Ernst Steinberg muss, wenn er an Deutschland dachte, im März 1933 sehr hoffnungsvoll gewesen sein. Am 6. des Monats meldete er ein Gewerbe an: Verkauf von Textilwaren im Laden der Familie Ilberg. Im September 1934 erhebt er Einspruch gegen einen Einkommensteuerbescheid und begründet das so: Der Betrieb ist für die Erstzeit vollkommen unrentabel, zumal ich das Geschäft erst aufbauen muß und die Betriebsunkosten sehr hoch sind. Ich selbst führe einen verzweifelten Existenzkampf und bin kaum noch in der Lage, meinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen. Meine Steuererklärung läßt erkennen, daß für die Zeit vom 1. März bis zum 31. Dezember 1933 kein Einkommen zu erzielen war, und bitte ich das Finanzamt ergebenst, den mir zugestellten Einkommenssteuerbescheid für diesen Steuerabschnitt zu berichtigen. Irgendwie hielt er noch durch bis zur Schließung des Geschäfts am 11. Mai 1938. Gemeinsam mit seinem Vater wurde er in der Nacht zum 10. November abgeholt und anschließend in das KZ Buchenwald gebracht. Seine Entlassung erfolgte am 19. Januar 1939. Danach organisierte er die Flucht mit seiner Frau und seinem noch 1934 geborenen Sohn Erich nach Ecuador.

 

Familie
Erich Steinberg
Fanny Steinberg
Hannah Steinberg
Siegfried Steinberg

Erich Steinberg

Lessingstraße 10 (früher 4)

geb. 6. Oktober 1934 in Wolfenbüttel, 1939 Flucht
Ecuador, überlebt

 

Erich Steinberg war das letzte vor 1945 geborene jüdische Kind in Wolfenbüttel. Im Alter von fünf Jahren befand er sich mit seinen Eltern auf der Flucht aus Deutschland.

 

Familie
Ernst Steinberg
Fanny Steinberg
Hannah Steinberg
Siegfried Steinberg

Neuer Weg

Grete Schaye
geborene Eichengrün

Neuer Weg 34 (Adolf-Hitler-Straße bis 1945)

geb. 29. Juli 1894 in Wolfenbüttel, deportiert 1. März 1943
Auschwitz, ermordet

 

Grete Schayes Ehemann Herbert wollte seit 1927 in New York eine kleine Existenz aufbauen, um dann seine Frau und seine Kinder Eva und Hans Bernhard nachzuholen. Er starb, bevor er das überhaupt in Angriff nehmen konnte. Ihre Tochter Eva wurde 1942 im Alter von 18 Jahren ins Warschauer Ghetto deportiert. Ihr Sohn Hans Bernhard flüchtete 1939 nach England und wurde als „feindlicher Ausländer“ nach Australien gebracht. Sie selber wurde dann - schwer krank - am 1. März 1943 zur Deportation aus Braunschweig abgeholt, als ihr Vater gerade einen Spaziergang machte. Er konnte sich nicht mehr von seiner Tochter verabschieden. Sie sei für eine Nacht in das Wolfenbütteler Gefängnis gekommen. Dort habe sie versucht, sich das Leben zu nehmen, indem sie auf einen der Wachtürme gelaufen sei, von dem sie sich habe hinunterstürzen wollen. Am 2. März 1943 hat ein Deportationszug Braunschweig nach dem Osten verlassen. Laut Yad Vashem ist sie nach Auschwitz deportiert worden. Wann sie dort angekommen ist, ist nicht zu belegen. Nach dem Kalendarium des KZ Auschwitz-Birkenau traf am 7. März ein Transport aus Breslau, Berlin und anderen deutschen Städten mit 1405 jüdischen Frauen und Männern in Birkenau ein: Nach der Selektion werden 406 Männer, die - zusammen mit den 389 Männern aus dem zuvor eingetroffenen Transport - die Nummern 106369 bis 107163 erhalten, sowie 190 Frauen, die die Nummern 37743 bis 37932 erhalten, als Häftlinge in das Lager eingewiesen. Die übrigen 809 Menschen, 125 Männer sowie 684 Frauen und Kinder, werden in den Gaskammern getötet.

 

Familie
Hans Bernhard Schaye
Eva Schaye
Gustav Eichengrün →
Bertha Eichengrün →

Hans Bernhard Schaye

Neuer Weg 34 (Adolf-Hitler-Straße bis 1945)

geb. 15. Oktober 1921 in Görlitz, Flucht 1939
England, überlebt

 

Hans Bernhard Schaye war ein Enkel von Gustav Eichengrün. Er lebte mit seiner Familie in Görlitz. Nach dem Konkurs des Unternehmens seines Vaters Herbert Schaye zog die Familie zu den Eichengrüns nach Wolfenbüttel. Vater Schaye wanderte 1927 mit dem Vorhaben in die USA aus, seine Familie nachzuholen. Dass misslang, da er schon bald nach seiner Ankunft fernab von der Familie an Krebs starb. Hans Bernhard besuchte in Wolfenbüttel die Schule an der Wallstraße. Ab 1931 lebte er mit seiner Schwester Eva im jüdischen Waisenhaus in Paderborn. Ab Ostern 1936 begann er in der Gartenbauschule Hannover-Ahlem eine Gärtnerlehre. Zurück in Wolfenbüttel hatte er den Plan, nach Palästina zu flüchten. Zwischenzeitlich arbeitete er in der Wolfenbütteler Gärtnerei Isensee. Da sich die Palästina-Pläne zerschlagen hatten, gelang es ihm, im Rahmen der sogenannten „Kindertransporte“ im August 1939 nach England zu entkommen. Nach verschiedenen Tätigkeiten als Gärtner geriet er im Mai 1940 in die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in Großbritannien, die in allen Deutschen zunächst erst einmal potentielle Feinde sahen. Internierungstribunale stuften die deutschsprechenden Ausländer in verschiedene Kategorien ein, dann wurden sie interniert. Das widerfuhr auch Hans Bernhard Schaye. Er verbrachte die Internierung bis zum Kriegsende in Australien.
Nach Ende des Krieges und der Rückkehr nach England trieb es Hans Schaye zurück nach Deutschland. Als Mitglied der amerikanischen Zensurbehörde arbeitete er ab April 1946 in Esslingen bei Stuttgart. Er öffnete Briefe unter Dampf und las meistens belanglose Texte. Mehrere Male besuchte er Wolfenbüttel. Ehemalige Schulfreunde nahmen ihn auf. Familie Hoffmeister hatte das große Porträt seines Onkels Hans, der im Ersten Weltkrieg gefallen war, aufgehoben. Er konnte es leider nicht mit nach England nehmen, da es zu groß war. Was aus dem Rest der Einrichtung des Hauses Eichengrün geworden war, konnte er nicht herausfinden. Nicht überall wurde Hans Schaye nach seiner Rückkehr nach Wolfenbüttel nett aufgenommen. Eine aus dem früheren Bekanntenkreis stammende Familie mochte seinen Besuch nicht, die Tochter habe ihn auf Nazi-Art beschimpft. Bis zu seinem Tod im April 2012 lebte er in Luton nördlich von London.

 

Familie
Grete Schaye
Eva Schaye
Gustav Eichengrün →
Bertha Eichengrün →

Eva Schaye

Neuer Weg 34 (Adolf-Hitler-Straße bis 1945)

geb. 26. Oktober 1924 in Görlitz, deportiert 31. März 1942
Warschau, ermordet

 

Ihr Bruder Hans Bernhard nannte sie zärtlich „Evchen“. Die Vorstellung, dass seine Schwester, die mit ihm im jüdischen Waisenhaus in Paderborn lebte, ermordet worden ist, war für Hans Bernhard Schaye eine Belastung bis ans Lebensende. Immer, wenn er im britischen Fernsehen Bilder oder Filme aus dem Warschauer Ghetto sah, hat er immer eher befürchtet als gehofft, seine Schwester zu sehen. Ihr Großvater Gustav Eichengrün erwähnte Eva Schaye in einem Brief und eine alte Wolfenbütteler Bekannte, Minna Ilberg, die bereits in Palästina lebte. Er schrieb unter anderem:

 

Evchen ist nach beendeter Schulzeit seit etwa vier Tagen hier. Sie hat auch ein gutes Abgangszeugnis bekommen, in allen Fächern sehr gut, gut oder fast gut, kein genügend. Ihre Abreise von Paderborn hat sich um einige Wochen verzögert, weil vom Waisenhaus aus erst ihre Aussteuer für Palästina beschafft und angefertigt wurde. Ihre Auswanderung hat Frau Dreyer in die Hand genommen, und Evchen bekommt hier Bescheid, wann sie die Reise antreten soll. Diese Sache läuft auch schon ein Jahr „immer langsam voran, immer langsam voran”.

 

Nachdem Eva Schaye ihre Schulausbildung in Paderborn abgeschlossen hatte, erhielt sie eine Lehrstelle in einem Hachschara-Betrieb (jüdischer Ausbildungsbetrieb zur Vorbereitung auf Palästina) und kehrte anschließend nach Wolfenbüttel zurück. Eine Flucht gemeinsam mit ihrer Mutter Grete Schaye gelang nicht mehr. Im März 1942 musste die 18jährige, da ihre Deportation bevorstand, eine Vermögenserklärung abgeben. Beim Ausfüllen des 16seitigen Dokuments half ihr der Großvater, der zum Schreiben einen derben Kopierstift benutzte. Außer persönlicher Daten und ihrer Unterschrift enthält das Papier keine Eintragungen. Beim Finanzamt gab sie Schmuck im Wert von 3,80 RM ab. Sie soll anschließend ins Warschauer Ghetto deportiert worden sein. Das Braunschweiger Gedenkbuch vermerkt einen Transport am 31. März 1942 nach Warschau. Hans Schaye erfuhr von der Deportation seiner Schwester in Australien. Seine Mutter schickte ihm eine Rote-Kreuz-Postkarte mit der furchtbaren Nachricht und dem Hinweis, seine Schwester würde im Warschauer Ghetto in einer Fabrik arbeiten. Auf welche Weise diese Nachricht aus Warschau nach Wolfenbüttel gelangt war, konnte ich nicht feststellen. Auch Evchen Schaye ist nicht zurückgekehrt.

 

Familie
Hans Bernhard Schaye
Grete Schaye
Gustav Eichengrün →
Bertha Eichengrün →