Namen und Biografien

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Stobenstraße

Heinrich Wedekind

Stobenstraße 8

geb. 23. Mai 1894 in Wendhausen verhaftet 1944, „Feindsender gehört“ Volksgerichtshof Berlin, zum Tode verurteilt und hingerichtet 27. November 1944

 

Nach dem Schulbesuch lernte er den Beruf des Schuhmacher. Am 14.12.1918 mußte er Soldat werden. Sein Vorgesetzter an der Front war der jüdische Kaufmann Berthold Moses. Als Moses verwundet wurde, holte Wedekind ihn aus der Kampfzone. Dabei erlitt er am 13. Juni 1915 einen Lungensteckschuss. Moses und Wedekind lagen gemeinsam in einem Lazarett in Jaroslau, damals Polen. Die beiden Männer wurden Freunde über den Krieg hinaus. Nach dem Krieg machte Wedekind seinen Meister im Schumacherhandwerk. Sein Freund Moses eröffnete in Wolfenbüttel ein Schuhgeschäft. Wedekind erwarb 1928 ein Haus in der Stobenstraße, richtete hier eine Werkstatt ein und arbeitete auch für Moses, dessen Geschäft nicht weit entfernt am Alten Tore lag. 

 

Im August 1938 flüchtete die Familie Moses in die USA. Wedekind hätte das Geschäft von Berthold Moses gern weitergeführt, konnte es aber aus finanziellen Gründen nicht. Einige Jahre später eröffnete er in Salzgitter-Watenstedt eine weitere Werkstatt. Sein Sohn kämpfte an der Ostfront und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In der Watenstedter Werkstatt hatte er als Mitarbeiter vier bis fünf ausländische Zwangsarbeiter, die er immer gut mit Essen versorgt haben soll. In der Werkstatt stand auch ein Radio, mit dem er verbotene ausländische Sender hörte, weil er sich wegen seines verschollenen Sohnes über die Frontverhältnisse informieren wollte. Einer der Zwangsarbeiter verriet ihn. Die Gestapo verhaftete ihn und brachte ihn in das Braunschweiger Gefängnis Rennelberg. Wedekind ging davon aus, eine kurze Strafe zu erhalten und bald nach Hause zurückkehren zu können. Aus dem Gefängnis schrieb er seiner Frau zwei Briefe mit Ratschlägen, wie sie das Geschäft während seiner Abwesenheit weiterführen sollte.

 

Seine Hoffnung erfüllte sich nicht, er wurde in das Gefängnis Tegel gebracht und erhielt einen Prozeß vor dem Volksgerichtshof in Berlin. Auf die Frage, ob er bereue, soll er geantwortet haben: “Ich habe nichts zu bereuen. Ich habe nichts Schlechtes getan.“ Heinrich Wedekind wurde zum Tode verurteilt und am 27. November 1944 im Gefängnis Brandenburg/Havel hin-gerichtet. Seine Frau erfuhr vom Urteil und vom Tode ihres Mannes durch einen Brief des Gefängnispfarrers, der sie über die Hinrichtung informierte.

 

Heinrich Wedekinds Einsatz für sein Land als Soldat in I. Weltkrieg, aus dem er krank zurückgekehrt war, hat ihm im „Dritten Reich“ nicht das Leben gerettet. Wegen einiger regimekritischer Aussagen wurde ihm sein Leben genommen.