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in Wolfenbüttel

Details


Adele Oschitzki, geb. Jacobi

geboren: 27.05.1875 in Strasburg in Westpreußen (poln. Brodnica)

Wohnadresse in Wolfenbüttel: Dr. Heinrich-Jasper-Straße 60 (ehemals Stöckheimer Straße 8)

Adele Jacobi war noch sehr jung, als sie den Kaufmann Louis Oschitzki (1870-1944) aus Gorzno heiratete.  Mit ihm bekam sie 1903 erst einen Sohn, der Arthur (1903-1945) genannt wurde und fünf Jahre später ihre Tochter Erika (1908-1941) 
Adele und Louis Oschitzki verließen mit ihren Kindern das kleine Gorzno als der Ort nach dem ersten Weltkrieg polnisch wurde. In Wolfenbüttel fanden sie eine neue Heimat.  Im Juni 1919 zogen sie in ein eigenes Haus in der heutigen Dr. Heinrich-Jasper-Straße 60, im Stadtteil Auguststadt und eröffneten unter der gleichen Adresse ein Geschäft für Schuhwaren.  Adele kümmerte sich ansonsten um die Kinder und den Haushalt. Ihre gute Freundin war Paula David, die Mutter der besten Freundin ihrer Tochter Erika. Die beiden waren per Du. 
Adele hatte außerdem eine jüngere Schwester namens Luise (geb. 22. Juni 1886), die in Berlin lebte und schon im Sommer 1938 einem Schlaganfall erlag.
Bereits 1936 verfügte die Kreisdirektion Wolfenbüttel, dass „Volksgenossen“ bei der Vergabe von Wohnraum zu bevorzugen seien.  1939 wurden Adele und ihr Mann aufgrund der „Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens“ gezwungen, ihr Haus in der Stöckheimer Straße 8 und ihr Grundstück in der Nordstraße 1 (heute Fritz-Fischer-Straße 1) zu verkaufen. Letzteres erwarb ein Sattler aus Söllingen.
 Neuer Eigentümer des Wohnhauses in der heutigen Dr. Heinrich-Jasper-Straße 60, war ab dem 14. März 1943 das „Deutsche Reich“. Adele und ihr Mann Louis waren zu dem Zeitpunkt bereits in ein stark baufälliges Fachwerkgebäude, ein sogenanntes „Judenhaus“, in der Langen Straße 34 zwangsumgesiedelt worden. In der damaligen Amtssprache nannte man diesen Vorgang „evakuiert“.  Ein Jahr später wurden sie in der Karrenführerstraße 5 untergebracht und ab dem 21. August waren sie zurück in der Langen Straße, diesmal in Haus Nr. 10.  
Von dort wurde Adele am 16. März 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo sie vierzehn Monate „lebte“.  In einem Brief von Max Cohn heißt es, dass sie in dem Lager „mit hundert Menschen auf einem Dachboden untergebracht war, darunter auch einigen aus Wolfenbüttel wie den alten Ilbergs und Frau Grünberg“. Am 18. Mai 1944 kam Adele Oschitzki mit einem der gefürchteten „Alterstransporte“ nach Auschwitz und wurde dort ermordet.  
Ihr Neffe Arthur Jacobi aus San Francisco forschte nach dem Schicksal seiner Tante Adele und ihrer Familie und gab diese Hinweise 1978 an die Gedenkstätte Yad Vashem weiter. 

Für den Namen Oschitzki finden sich verschiedene Schreibweisen: Oschitzky und Oschitzki.  Die Familie scheint die Schreibweise mit der Endung auf „i“ bevorzugt zu haben. Beispiele dafür sind eine Unterschrift von Arthur Oschitzki beim Standesamt Wolfenbüttel und die Todesanzeige für Moritz Oschitzki. 

Online-Link zu "Gretels Album"

Foto: Archiv Jürgen Kumlehn

Literatur:
1.    Adressbuch Wolfenbüttel 1933
2.    Arolsen Archive: Inhaftierungsdokumente Ghetto Theresienstadt 1.1.4.2./1-1-42-2_11422001-228/ITS Digital Archive, Arolsen Archives
3.    Bundesarchiv, Gedenkbuch
4.    Cohn, Max in: Kumlehn, J. „Jüdische Familien in Wolfenbüttel“, Appelhans Verlag, 2009
5.    Kulturstadt Wolfenbüttel e.V. „Jüdischer Rundgang“
6.    Niedersächsisches Landesarchiv, Wolfenbüttel:
NLA WO, 15 R 4, Zg. 46/1989 Nr. 2
NLA WO 131 N Zg. 39/1960 Nr. 150
NLA WO 58 Nds Fb. 3 Zg. 2009/037 Nr. 1339
NLA WO 115 Z Nr. 58/1; Nr. 59/2; Nr. 74/1
7.    Rueb Romero, D.; Vögel, B. www.„Gretels Alben“; birdstage.net
8.    Sterberegister Berlin, 1874-1955, ancestry     
9.    Yad Vashem, zentrale Datenbank der Namen der Holocaust Opfer

deportiert: 16. März 1943 nach Theresienstadt - 18. Mai 1944 nach Auschwitz

Ermordet

Familie:
Louis Oschitzki
Arthur Oschitzki
Erika Selinger, geb. Oschitzki
Margot Oschitzki, geb. Heching
Moritz Selinger
Moritz Oschitzki

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